Hotel Erziehung (3)

Hotel Erziehung (3) :

Das Spielfeld war bereit.
Sicherlich, das Hotelzimmer glich in keinster Weise dem überschwänglichen Luxus einer Suite im Schutzprogramm, aber es war recht gemütlich, nicht dreckig und vor allen Dingen so ausgestattet, wie Rudolph es sich vorgestellt hatte. Ein Eckzimmer im 4ten Stock.
Zu einem Zeitpunkt, an dem es auch einmal laut werden konnte. Denn die Zimmer in den Ecken der Hotels sind zumeist bauartbedingt, und besonders hier, so gestaltet, dass die Wohneinheit so zwischen Badezimmer und Schlafraum lag, dass, wenn man die Türen schließt, relativ wenig Geräusche nach außen dringen würden.
Und es war nicht das Erste Mal, dass Rudolph hier einkehrte.
Alles lag bereit, das Bad war sauber und Rudolph war in einer Art Spannung gefangen, die ihn immer wieder ergriff, wenn er jemanden treffen sollte, den er im Grunde nicht kannte.
Die paar Parameter, die er wusste, die paar Dinge die er ahnte und die paar Dinge, die zwischen den Zeilen zu lesen waren, waren mehr als dürftig.
Was er wusste, war, dass diese Frau hungrig war. Hungrig und neugierig. Zielstrebig und von einer Inneren Unruhe getrieben, die der seinen glich.
Er zündete ein paar Kerzen an, verteilte sie so im Raum, dass er alles halbwegs erkennen konnte. Die Vorhänge zugezogen, alle Utensilien die zu brauchen er glaubte, lagen bereit.
Was würde passieren? Würde etwas passieren? Wäre sie so, wie er es sich vorgestellt hatte oder passte die Chemie nun gar nicht?
Er war überaus anspruchsvoll, was das anging. Entweder es passte, dann konnte passieren was wollte oder es passte nicht, dann käme man über ein Glas Champagner nicht hinaus. Das war schon immer so und würde auch so bleiben. Alles andere wäre scheinheilig und unehrlich.
Dabei hatte er mehr als deutlich kommuniziert, was er mochte. An Kleidung, an Schminke, an der Art, wie die Haare sein sollten.
Mithin war das nichts, was andere Männer nicht ebenso mochten. Also konnte „Frau“ sich so bekleidet und hergerichtet auch auf der Strasse sehen lassen.
Was wirklich wichtig war, war das, was im Inneren der Menschen abging.
Er schätzte sie so ein, dass sie die Äußeren Parameter freudig erfüllen würde, da sie ihrem Anspruch entgegen käme. Aber kampflos würde sie sich auf gar keinen Fall ergeben, auch wenn es ihr sehnlicher Wunsch wäre. Nein, er würde sich anstrengen müssen. Das einfache „zu Boden Knuten“ wäre hier vollkommen unangebracht. Das kann man mit Dummsubs machen oder Menschen mit weniger hohen Ansprüchen. Aber wie hatte vor Jahren einmal eine Kollegin gesagt:
„SM können nur intelligente Leute wirklich leben. Anders geht es gar nicht“
Im Laufe der Jahre hatte er gelernt, dass dieser zugegebenermaßen großkotzige Spruch zutraf wie sonst nichts.
Und Intelligenz beinhaltet nicht das niederschlagen von Aufständen, sondern das Erreichen der geistigen Oberhand.
Es klingelte. Ein Blick auf die Uhr. 19:45 Uhr? Das war sie nicht.
„Herein“
Der Zimmerservice. Schweigend baute die junge Dame das Buffet auf. Ihren beinahe unauffälligen Seitenblick auf den metallenen Koffer nahm er schon wahr. Hübsche Frau. Nur zu jung.
„Lassen sie dir Tür bitte angelehnt? Ich erwarte noch Besuch“
„Wie Sie wünschen“ Sagte sie und verschwand.
Was die wohl denken mochte…. angesichts der Kerzen und der Spannung im Raum.
Eigentlich konnte es ihm egal sein, aber wie immer dachte er zuviel.
Nun war der Moment der Wahrheit nicht fern. Tief atmete er durch. Spannung baute sich auf und ein wenig geriet sein Geist bereits im Vorfeld in die Schwebe. Was wenn alles passte? Er wusste, dass sie es mochte, benutzt zu werden mit leichtem Nachdruck, wusste aber auch, dass sie ihren „Führer“ respektieren musste, und das konnte er nicht erwarten, sondern musste es sich verdienen. Playfight mochte sie ebenso.
Aber einen Plan hatte er nicht. Wie immer müsste er sich vortasten und seine Intuition entscheiden lassen. Ob sie schon einmal geflogen war, wusste er auch nicht. Alles würde sich in den nächsten Minuten entscheiden. Im Geiste sah er jemanden aus dem Lift treten. Vor der Türe tief durchatmen und den nässenden Schritt ignorieren.
„Da bin ich“
Auf dem Flur. Mutig, mit einer Augenbinde auf dem Hotelflur stehen zu bleiben und seine Präsenz kund zu tun.
„Tritt einen Schritt nach vorn, ertaste die Tür und schließe sie hinter dir“
Unsicher erfühlte sie die Tür. Rudolph erkannte lediglich ihre Silhouette. Und lächelte. Das Haar für seinen Geschmack zu kurz, aber das wusste er bereits. Irgendwie kam sie ihm sehr vertraut vor.
Mit einem zarten Geräusch schob sie hinter sich die Tür ins Schloss. Nun sah er nur noch dunkle Umrisse. Die Kerzen waren nicht in der Lage, soviel Licht zu spenden, dass er sie betrachten konnte. Er erkannte an ihrer Haltung, dass sie keine flachen Schuhe trug. Undeutlich zeichnete sich ab, dass sie Nylons unter ihrem Trenchcoat trug, das war es.
„Komm näher. Folge meiner Stimme. Jetzt gerade aus. Noch einen Schritt“
Rudolph traute seinen Augen nicht. Erst jetzt erkannte er, wer vor ihm stand. Die Augenbinde hatte verhindert, dass er die Frau aus dem Vier Jahreszeiten erkannt hatte.
Fassungslos starrte er das Miststück an. Das also war ihr Date! Er selbst war es. Unglaublich.
Rudolph konnte immer noch nicht fassen, was dort gerade abging. Die Frau, die er überhaupt nicht leiden konnte, stand vor ihm und wollte sich auf ein Spiel einlassen.
„Einen Schritt noch“ Sie tat, wie ihr geheißen und Rudolph fand Vergnügen daran. Wunderte sich allerdings, dass sie seine Stimme nicht wieder erkannte.
Er stand auf. Ging zur Anrichte und öffnete den Champagner. Als der Korken sich mit einem sanften „plopp“ seiner Pflicht entledigt hatte, fuhr sie zusammen. Furcht? Gut…
„Streck die Hand aus“ Sagte er ruhig und goss das prickelnde Nass in ein Glas, um es ihr dann zu reichen. Sie zitterte ein wenig. Kaum zu bemerken, aber er sah, dass sie sich Mühe gab, sicher und ruhig zu wirken.
„Wir trinken auf den Abend. Dass er so endet, wie wir ihn uns erträumt haben. Wir trinken auf das Leiden, auf das süß- schreckliche Leiden“
„Darauf trinken wir“ Erwiderte sie und dieser rotzig- freche Ton, diese scheinheilige Selbstsicherheit war komplett aus ihrer Stimme verschwunden. Was, wenn sie wüsste, wen sie vor sich hat? Wäre es nicht fair, ihr zu sagen, wer hier stünde? Nein, Beruf und Privat kann man getrost trennen.
Mit einem sanften „pling“ stießen die Gläser zusammen und Rudolph nahm einen tiefen Schluck. Es tat gut, zu spüren, wie das Getränk seine Kehle hinab lief und im Magen ein wohliges Gefühl erzeugte.
„Jetzt leg den Mantel ab“
Sie hielt ihm das Glas entgegen. Er stellte es achtlos auf die Anrichte, ohne den Blick von ihr zu wenden.
Fahrig nestelte sie den Knoten auf, während er sich lautlos entfernte und eine Position hinter ihr einnahm.
Mit seidigem Rascheln fiel der Mantel zu Boden. Nun, was sie darunter hatte, war ihm ja bereits bekannt. Dennoch sah er gern hin, denn das hier waren vollkommen andere Voraussetzungen.
„Dreh dich um“ Sein Ton war vollkommen wertfrei. Keine tonale Schwingung ließ Rückschlüsse auf seinen Zustand zu. Sollte sie doch denken, dass er die „Ware“ erst begutachten musste.
Doch sie zögerte und er grinste. Also doch der nachdrückliche Weg.
Lautlos näherte er sich.
Sicherlich erwartete sie, dass er sie mittels einer Gerte oder einem Rohrstock dazu bewegen würde.
Sicherlich nicht….
Er entschied sich für ein Nadelrad. Ein chirurgisches Instrument aus blitzendem Edelstahl.
Und es brauchte nicht einmal viel Kontakt. Ganz sanft berührte er sie am Schulterblatt und sie fuhr herum vor Schreck, als das kalte Metall ihren Rücken berührte.
„Na also. Brav. Jetzt eine Viertel Drehung“
Sie drehte sich rechts herum und bekam das Nadelrad gleich auf die andere Schulter.
„Ich sagte nichts von rechts“
Schnell drehte sie sich zur anderen Seite und bekam das Rad diesmal mitten auf eine Pobacke.
„Von Eigenmächtigkeiten habe ich ebenfalls nichts gesagt“
„Verdammt, was soll ich denn tun?“ Da war sie wieder, diese vorlaute Sprechweise.
„Hör nur zu. Paragraph 1: Hör GENAU zu. Paragraph 2: Hör nie mehr, als ich sagte. Paragraph 3: Wenn du es nicht weißt, frag nach. Und damit du die 3 Grundparagraphen nicht vergisst, wist du 3 Schläge bekommen. Da aber 3 eine ungerade Zahl ist, müssen wir die wohl verdoppeln. Welches ist dein Lieblingsinstrument?“
„Die Peitsche“ Antwortete sie und Rudolph grinste still vor sich hin, obschon die Antwort recht ungenau war.