Hotel Erziehung (2)

Hotel Erziehung (2)„Also?“ Sagte sie, den unnützen Versuch machend, neutral zu wirken.
„Was ist hier los“ Fragte.
„Was meinen Sie?“ Verwirrung. Unglaube. Der Typ sollte aufpassen, dass keiner, der keine Berechtigung hatte, hier reinmarschierte. Und der Depp wagte es, zu fragen.
„Ganz einfach. Sie sind hier, um bewacht zu werden. Dem Hirni dort draußen können sie was vom Dreibeinigen Hund erzählen, aber mir nicht. Ingenieurin aus Shanghai gekommen. Tolle Wurst, was haben Sie mitgehen lassen, die architektonischen Urpläne des Mao Palastes oder was? Hier ist was anderes im Gange Lady, und das muss ich wissen“
„Einen Scheiß müssen Sie wissen. Machen Sie ihren Job, passen sie gut auf und lassen sie mich in Ruhe. Was wissen Sie schon!“
„Nichts, und genau das ist der Punkt. Ich weiß nicht, worauf ich mich einstellen muss. Das erschwert meine Aufgabe und verkürzt notfalls ihr Leben, comprende?“
Sie dachte nach. Unrecht hatte er nicht, aber der Idiot könnte ihr wenigstens den Respekt erweisen, ihr beim reden nicht den Rücken zuzudrehen.
„Ich bin Genetik- Ingenieurin, reicht das?“
Rudolph war es nun, der sich überrascht umdrehte und ihr seine ganze Aufmerksamkeit schenkte. Denn dieser Umstand änderte alles von Grund auf.
„Ja, das ändert die Sachlage. Wer ist hinter ihnen her? Eine der Triaden oder gar der chinesische Geheimdienst?“
Die Triadenbanden waren gut, aber nicht gut genug. Der Chinesische Geheimdienst allerdings war eine völlig andere Hausnummer. Vor allen Dingen, weil es deren 8 gab. Sechs öffentlich bekannte und 2 deren Existenz ebenso verschwiegen wurde und wird, wie Rudolphs eigene. Das MSS ( Ministerium für Staatssicherheit) glich der offiziellen Kontur des BND. Alles Bananen. Schlimmstenfalls bekamen sie es mit Chin Zhang zu tun. Die Jungs waren wirklich gut. Sicherlich, man könnte denken, ein Asiat fiele hier in Europa immer und überall auf. Aber nicht Chin Zhang. Man sah und hörte sie weder kommen, noch gehen. Selbst die abgesperrtesten Areale wurden infiltriert und unerkannt verlassen. Wie Gespenster waren diese Typen. Und hatten schlimmere Meuchelmethoden drauf wie weiland die Ninja. Nicht umsonst heißt Chin Zhang auf Deutsch unsichtbarer Nebel.
Nun war er besorgt, zeigte es aber nicht.
„Hören Sie, das ist wichtig. Sie haben etwas, das die wieder zurück haben wollen. Ich muss nur einordnen, wer hinter ihnen her ist. Es gibt da nämlich ein paar ganz böse Buben, die fiese Tricks auf Lager haben ( Rudolph dachte an das Sprengband in der Krawatte seines letzten „Opfers“, das war nämlich seine Idee) und wenn ich mich auf die vorbereiten muss, muss ich das jetzt wissen“
Sylvia dachte nach. Ihr war die veränderte, dringliche Art, wie der Typ, dessen Namen sie bislang nicht kannte, aufgefallen. Und erkannte, dass diese Information entscheidend war. Er schien zu wissen, worüber er redete.
„Ich war Gast- Dozentin im staatlichen chinesischen Forschungslabor in Nanking. Bei einer Führung durch die Hochsicherheitslabors in Shanghai steckte mir einer der Laboranten eine CD zu. Ich war so überrascht, dass ich sie an mich nahm. Nichts weiter. Zuhause im Hotel sah ich mir dann an, was dort gespeichert war und flog sofort ab“

Erotikgeschichten online 74 192x300 Hotel Erziehung (2)

Erotikgeschichten online Hotel Erziehung


„Das war klug. Und dumm, denn dadurch erst haben sie sich verdächtig gemacht“
„Hören sie, ich bin kein Spion oder eine Art weiblicher James Bond für Arme, ich hatte eine Scheiß Angst, aber jetzt bin ich ja wieder hier und um die CD wird ein Mordszinnober veranstaltet. Ich will das alles nicht“
„Wo ist die Disc denn?“
„In meinem Gepäck, das ist ja der Jammer. Als ich hier ankam, war mein Gepäck versehentlich nach Brasilien unterwegs und darauf warten wir jetzt. Es kommt übermorgen an. Und ich warte eigentlich nur darauf, dass ich es mit ihren Leuten abholen kann“

Rudolph dachte nach. Wenn der zugriff jetzt erfolgen sollte, würde das nichts nützen. Der Deutsche Geheimdienst wäre dann alarmiert und würde kurzerhand den Flughafen dicht machen. Nein, wenn die Chinesen eingreifen wollten, dann unmittelbar bei Übergabe des Gepäckes. Das war ihre Einzige Chance. Das heißt aber auch, dass die Frau in relativer Sicherheit war und er entspannte sich.
Urplötzlich, als hätte jemand einen Schalter umgelegt, war er wieder locker.
„Okay, was essen wir?“
„Was?“
„Essen, Nahrungsaufnahme, Happihappi, du versteh´?“
„Blödmann, wie kann man jetzt an essen denken? Typisch Mann. Erst einen auf Bond machen und den coolen raushängen lassen und dann kommen die Triebe durch, beim Hunger angefangen. Was ist denn nun, bin ich in Gefahr, bin ich es nicht oder was?“

Also für eine Genetik- Ingenieurin eine sehr prollige Ausdrucksweise und Rudolph war sich mehr und mehr darüber im klaren, dass er sie immer weniger mochte. Oder sie spielte ihn etwas vor. Vielleicht weil sie dachte, dass er ein Schwanzgesteuerter Kanonenträger war und nicht sehr helle im Kopf. Und das war nicht nur beleidigend, sondern impertinent.
„Sie sind solange sicher, bis der Flieger mit ihrem Gepäck ankommt.“
„Na dann ists ja gut. Also, was essen wir? Nichts. Erstens habe ich heute Abend ein Date und zweitens würde ich mit ihnen sowieso nichts essen, denn dann würde alles nach Mist schmecken“
„Bitte? Sie haben WAS?“
„Ein Date, ist das so schwer zu verstehen?“
„Hallo! Sie können kein Date haben, wissen sie überhaupt, was das für Ansatzpunkte gibt? Mit wem wollen sie sich überhaupt treffen?“
„Das geht sie einen Scheißdreck an Mister Kay. Aber weil sie so ein netter Mensch sind: Mit einem Mann“
Er hatte die Anspielung schon verstanden.
„Mit einem Mann. Welchem Mann?“
„Keine Ahnung, schon mal was von Blind Date gehört?“
„Das darf nicht wahr sein! Ihnen ist nicht wirklich klar, was….“
Stop. S -T – O – P. Nein nein und noch mal nein. Hatte er gerade Emotionen gezeigt? Hatte er sich echauffiert? Hatte die dämliche Schlampe ihn aus der Reserve gelockt? In der tat. Ihr gewinnendes Lächeln bedeutete ihm, dass er ihr auf den Leim gegangen war. Miststück.
„Wann?“
„Irgendwann heute Abend, ich weiß noch nicht. Aber auf jeden Fall heute Abend“
Rudolph dachte nach. Okay, Madame erwartete doch nicht etwa, dass er den Hof- und Begleithund spielte und vielleicht später vor der Tür mit anhören musste, wie sie sich die Seele aus dem leib f icken würde? Nein, bestimmt nicht.
Ein schneller Blick auf die Uhr. Dann ging er telefonieren.

„Sie haben Glück Lady. Ab 19 Uhr ist meine Ablösung hier, dann sind sie mich los“
„Die erste gute Nachricht heute“ Ätzte sie und verschwand arschwackelnd im Bad.

Den Rest des Nachmittages verbrachte er damit, aus dem Fenster zu schauen, sich die Prince- Imitation von: The most beautiful Girl in the World, gesungen von einer Zicke, anzuhören und die Verbalattacken einer komischen Frau an sich abprallen zu lassen. Im Spitzen setzen war sie einmalig. Dinge wie:
“Kommt heute Abend ein richtiger Mann oder wieder so ein cooler Spinner?“
„Nein, ihr Vater wird nicht hier sein“
Oder:
„Haben Sie Luftballons in die Hose gepackt oder sieht das immer so aus?“
„Luftballons Lady. Die habe ich aus Ihrem BH geklaut“
Er wusste nicht recht, ob er es gut finden sollte, dass sie ihm in den Schritt geschaut hatte. Aber auch das prallte an ihm ab. Und sie ärgerte es, dass er bei seinen rotzigen Erwiderungen nicht einmal den Anflug eines Ärgers zu verspüren schien.
Und sie hörte einfach nicht auf. Was zum Geier trieb sie dazu, ihn ständig zu provozieren? Besonders da der Zeitpunkt sich näherte, sein eigenes Date mit einem Zeitpunkt und mit ein paar Anordnungen zu versehen.
„Wirklich schade, dass da ein paar Typen auf mich scharf sind. Die armen Kerle. Gegen einen so großen und gut gebauten Sixpackträger wie sie einer sind, haben die doch keine Chance“
„Tja Lady, warum in Gottes Namen sollen die Täter besser sein als ihre Opfer?“

Dann war erst einmal Ruhe. 17 Uhr und Madame tigerte durch die Suite wie ein nervöses Huhn. Aber warum nur? War das Date nicht klar? Kam der heiß Ersehnte vielleicht gar nicht? Oder was trieb sie zu dieser fahrigen Unruhe?
„Hören Sie, sie machen mich nervös. Was ist nur los?“
„Geht sie…“
„… einen Scheißdreck an jaja ich weiß.“
Damit ließ er es auf sich beruhen. Der Frau war ohnehin nicht zu helfen und Rudolph konzentrierte sich auf seine Aufgabe.
18 Uhr. Die Zielperson kam aus dem Schlafgemach. Entweder hatte sie vergessen ( was er nicht glaubte) dass ihr Schutzengel noch da war, oder sie wollte ihn wieder einmal provozieren. Der Duft der sicherlich teuren Cremes und Wässerchen schwebte durch den Raum. Seine Zielperson hatte Halterlose Strümpfe an, eine schwarze Hebe, die ihre großen Brüste noch besser zur Geltung brachte und einen Spitzenstring.
Sie marschierte zur Bar und öffnete eine Flasche Sekt. Unnötig zu erwähnen, dass sie nicht im Mindesten daran dachte, ihm auch ein Glas anzubieten.
„Glotzen sie nicht so!“ Trompetete sie, als sie wieder ins Bad marschierte um die Date- Vorbereitungen abzuschließen.
„Sie haben eine Laufmasche“
“Was? WO?“
„Schauen Sie im Spiegel nach“
„Arschloch!“ Die Tür wurde so hart zugeworfen, dass man es bestimmt in den seismischen Stationen in der Antarktis noch bemerkt hatte und der Mann grinste breit. Eigentlich war das ja genau sein Spiel. Aber er war hier auf der Arbeit gewissermaßen und nicht zu seinem Vergnügen unterwegs.
Es klingelte. Endlich die Ablösung. Mit der Linken Hand entsicherte er den Colt und postierte sich so, dass der Lauf unter seiner Jacke auf den Türspalt zeigte. Sein Linker Fuß war so gestellt, dass die Tür nur ein paar Zentimeter weit aufgehen würde.
Coltello stand draußen, er kannte ihn. Halbitaliener und ein Spezialist der Klinge. Ein guter Mann. Einer der wenigen, denen er traute.
„Hey. Komm rein“
In kurzen Sätzen informierte er die Ablösung über seine Vermutungen und versprach, gegen 6 Uhr pünktlich zu sein. Dann verabschiedete er sich von seinem Kollegen, warf noch ein halbherziges: Ciao in Richtung Schlafzimmer und verschwand.
Im Lift kam ihm der Nachmittag wie ein Traum vor. So unwirklich, so künstlich, so gestellt. Einen Augenblick lang hatte er die Vermutung, dass es sich hier eventuell um einen test handelte. Denn diese komische Frau war alles andere als authentisch.
Schulterzuckend verließ er den Lift und sah sich im Foyer gewohnheitsmäßig unauffällig um. Kein einziger Asiat anwesend. Nun, keinen den man sehen konnte jedenfalls.
Doch eine der Taktiken der Chin Zhang war, eine Ablenkungsperson in Reichweite zu postieren, die man ganz bestimmt wahrnahm. Das war gemeinhin ein Zeichen, dass der Übergriff unmittelbar bevorstand.
Rudolph durchquerte die Lounge in Richtung Bar und bestellte einen Cappuccino. Während er auf das Getränk wartete, tippte er eine SMS.
>>Hotel Oper, Drehbahn 15-23, 20 Uhr. Zimmer 405, die Tür steht offen. Verbinde dir die Augen und tritt ein<<
Dann lächelte er. Es war das erste, erwartungsfrohe Lächeln seit langem.