Erziehung (2)

Fortsetzung der Erotikgeschichte Erziehung:

Und genau daher empfand er sie als anders. Andere Frauen spiegelten ihm, oder hatten ihm, entweder Mordserfahrung vorgespielt oder völlige Keuschheit. Beides sehr ungünstig, denn es kommt ja doch heraus. Die angeblich so super- erfahrenen entpuppten sich als, nun sagen wir freundlicherweise, weniger erfahren. Und bei den keuschen kam dann doch irgendwann die Wahrheit ans Licht.
Die hier war ganz anders. Er war nicht verliebt und sie war es auch nicht. Aber es war mehr als Sympathie und mehr als Respekt. Sie erzählten sich Dinge und der Mann lebte ihr Leben in Teilen mit. Besonders den sexuellen.
Und dennoch vermochte es diese Frau, ihren wahren Kern im Nebel der Charmanterie verschwinden zu lassen. Und das „warum“ war es, was den Mann zum Nachdenken veranlasste.

Sie wollte nur Spaß. Wollte Sex. NUR Sex. Keine Emotion, keine Verpflichtung, kein Anspruch, keine schlechten Nachgefühle. Wie würde T´Pol sagen? Gelegentliche Treffen zum zwecke gegenseitigen Lustgewinns. 
Für einen Mann eigentlich optimale Voraussetzungen. Und genau das war es. Es war zu optimal. Rudolph kannte Frauen. Nur so eine nicht, und das machte ihm Sorge. 
Sorge, mehr zu wollen irgendwann. Sorge, wieder auf den Leim zu gehen, wenn es denn so sein sollte.
Die Heckler&Koch war fertig. Aber er noch nicht. Er stand auf und ging ans Fenster. Sah auf die kahlen Bäume des toten Gartens. Sein japanischer Steingarten sah gar nicht mehr japanisch aus, sondern eher wie ein Haufen Steine nach einem Meteoriteneinschlag.
Und mit derlei trübsinnigen Gedanken im Kopf konnte er wahre Schönheit in einem Arrangement wie diesem nicht hervorrufen. Daher ließ er es…

Dann fasste er den Entschluss. Er tippte nur zwei Buchstaben in sein Handy und schickte die SMS los. Es stand nur: JA in der Message.
Tief atmete er durch, drehte sich um und nahm seinen schwarzen Mantel vom Haken. Stuka und Spitfire kamen angerannt und rieben ihre schnurrenden Köpfchen an seinem Bein.
Er lächelte. Er liebte Katzen. Denn er war selbst eine. In gewisser Weise…..

Im Büro lief zunächst alles wie gewohnt. Briefing mit allen, Verteilung der Kapazitäten. Dann die Einzelbesprechungen. Alle hatten hier Spitznamen. Das hatte seinen Grund. Es machte unangreif- und nicht- verfolgbar.
Shadow, kommen sie rein“
Der Chef. Klein, unauffällig und eher einem Bürokraten ähnlich, denn einem Sektionschef einer der geheimsten Organisationen Deutschlands.
Er schob sich seine Brille auf die Nase und sah ihn mit seinen kleinen Schweinsäuglein an. Die Intelligenz, die aus diesen Augen sprühte, stand im krassen Gegensatz zu seinem unauffälligem Äußeren.
Schöner Mist, den sie da verbockt haben Shadow! Eine verdammte Sauerei ist das. Wie soll ich das dem Innenminister erklären, hm?“
Keine Ahnung Chef. Am besten sagen Sie, Saddam ist schuld“
Hören Sie auf mich zu verarschen Shadow. Nicht jetzt, nicht hier. Das ist nicht witzig. Die Person, die Sie zu bewachen hatten, ist in so kleine Stücke geplatzt, dass nicht einmal sein Zahnarzt noch feststellen könnte um wen es sich handelt!“
Naja Chef, ich kann nichts dafür, wenn einer n Sprengsatz in seine Krawatte packt. War ne Premiere, das hats noch nicht gegeben.“
Ein winziger Blick seines Chefs auf den Bilderrahmen an der Wand. Kaum zu bemerken. Dort war die Kamera und auch die Mikrofone. Shadow wusste das. Und sein Chef wusste, dass er das wusste. Es sollte ein Signal sein, auch schauspielerisch den zerknirschten zu spielen.
Denn die Zielperson war mittlerweile längst in Sicherheit. Shadow wusste das und sein Chef wusste das. Aber der Innenminister durfte das auf keinen Fall wissen.
So verlief der Anschiss nach Plan und Shadow wurde nach Hamburg strafversetzt. 
Personenschutz für eine Ingenieurin. Nicht irgendeine, nein. Sie hatte Pläne aus Shanghai mitgebracht, die so brisant waren, dass sie geschützt werden musste.
Alles in allem ein Auftrag für Anfänger, aber der Schein musste gewahrt sein und solange sich seine Bezüge nicht negativ veränderten, ging er, wohin er befohlen wurde. 
Shadow wusste es gestern schon. Daher auch die Zweibuchstabige Zusage. Hamburg ich komme sollte das heißen. Bodyguard tagsüber und Abenteuer mit erhöhtem Risiko Nachts. Das würde ein Spaß werden….
Nun, wenn sein persönlicher Albtraum sich in Nichts auflöste, konnte er immer noch Arschlöcher totschießen. Das war zwar anstrengender, aber nichts desto weniger erfüllend. Besonders für das Opfer, wenn es mit 45ern gefüllt wurde….