der etwas andere Ausflug

Wir beide saßen in einem Kino. Es befand sich in einem großen, geräumigen Flugzeug, und wir flogen bereits weit und hoch über der Erde – so hoch, dass das Blau bereits von einer solch dunklen Tönung war, dass es die Unendlichkeit erahnen ließ.
Ich freute mich auf diesen Flug! Das Ziel war uns nicht bekannt. Du starrtest auf die Leinwand – unbeweglich. Dennoch schienst du mir zugewandt, denn du hieltest meine Hand mit einer Art Selbstverständlichkeit fest und warm. Ebenso deutlich nahm ich aber auch deinen Abstand wahr – Kälte, die sich verdeutlichte in der Haltung deines Rückens. Er war ganz gerade, steif – distanziert, das weiße Hemd bis zum letzten Knopf geschlossen, faltenfrei.

Dieser Widerspruch zwischen uns erzeugte eine Spannung, auch Resignation oder besser Akzeptanz sowie eine undefinierbare Sehnsucht in mir. Ich war irritiert, aber nur einen Moment lang ratlos. Dann betrachtete ich in dem uns umgebenden Halbdunkel – mir alle Zeit nehmend – dein unbewegtes Profil interessiert, mit wachsender Neugierde, gespannt, erstaunt, voller sicherer Zärtlichkeit und auch wachsender Ruhe.

Plötzlich aufgeschreckt aus meiner konzentrierten Selbstvergessenheit spürte ich deutlich den intensiven Blick und gleichzeitig eine dichte Atmosphäre drängender Lust zu meiner Rechten. Ich roch einen fremden Mann. Ich fühlte mich gleichermaßen gestört wie hingezogen zu dieser Stimmung, wohlgemerkt – nicht zu diesem Mann.

Die Anonymität zwischen ihm und mir einerseits und die trotz allem offensichtliche Nähe zwischen uns andererseits, steigerte meine plötzlich erwachende körperliche Lust sprunghaft bis ins Unendliche. Normen sprengende Situationen erregen zutiefst. Der Mann schien dies zu spüren und seine vorsichtig, aber dennoch zielstrebig tastenden Hände, die den Weg zu meinem Schoß suchten, erschienen mir als eine willkommene Selbstverständlichkeit. Nachwievor jedoch deinen Blick suchend, folgte mein Körper bereits längst seiner ihm ureigenen natürlichen Bestimmung selbstverständlicher Hingabe. Ich öffnete dem Fremden, dem Mann, der Männlichkeit entgegenkommend weit meine Beine, wollte, musste unbedingt die Hand fordernd in mir fühlen. Seinem Kuss jedoch wich ich angeekelt aus.

Deinen Kuss, deine Zunge wollte ich – diese hingebungsvolle und die Zeit vergessende!

Die Hand des Fremden befriedigte mich schnell, erfahren, routiniert. Ich genoss mein pulsierendes Geschlecht und blieb leer.

Du schautest zur Leinwand und bemerktest nichts. Die Leinwand war weiß.