Das Leben

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Das Leben

Das Leben: Wie bin ich nur hier gelandet? Ich mache doch nie bei Preisausschreiben mit! Und selbst das hier sollte nur ein Gag sein. Aber nein…ich sitze im Scheinwerferlicht, Blitzlichtgewitter und versuche zu lächeln…..Aber ich beginne von vorne……Kurz vor Weihnachten hatte ich in der Tagespost einen 5seitigen Fragebogen gefunden. Da Frau krank war, sich tödlich langweilte und keinen klaren Gedanken auf das Papier bekam, nahm ich ihn mit ins Bettchen und begann, die Fragen zu beantworten. Teilweise verstand ich kaum ein Wort von dem, was dort gefragt wurde, aber ich machte weiter meine kleinen Kreuzchen, trank meinen Tee und wurde dabei müde. Zweck erfüllt. Ich hatte zwei Stunden des Tages überbrückt und fand einen erholsamen Schlaf.Leider war ich so geistig abwesend, dass ich auch meine Unterschrift auf die letzte Seite setzte. Und damit war das für Mathilde, meine gute Seele im Haus, das Startsignal, den Fragebogen in einen Umschlag zu stecken und abzuschicken.

Einen Monat später klingelte das Telefon. Selten hat ein Anruf mich so sprachlos gemacht.
„Herzlichen Glückwunsch! Sie haben bei unserem Preisausschreiben gewonnen.“ Preisausschreiben? Ich hab doch….. der Fragebogen!!!
„Packen Sie die Koffer! Morgen wird unser Team sie abholen und sie dürfen eine fantastische Woche auf unsere Kosten in der aufregendsten Metropole der Welt verbringen. Sie fliegen nach Los Angeles!!! Was sagen sie?“
Nichts… außer Danke, Ähms und Öhms… kam aus mir nichts hervor.
„Ich wusste, dass sie begeistert sein werden. Und jetzt der absolute Knüller. Sie haben einen der begehrten VIP-Plätze beim Golden Globe.“
Muss ich mich jetzt freuen? Ich schau mir das ja nicht mal im Fernsehen an.
„Danke, aber morgen schon? Ich weiß nicht….“
„Sie werden in LA von Claudia empfangen, die ihnen dann alles weitere erklären wird. Mrs. Dounell, ich beneide sie wirklich.“
Gespräch beendet. Wo blieb das… Haben sie noch Fragen? Passt ihnen das überhaupt?
In was habe ich mich da nur hereingeritten?
Wieder spielte Mathilde Schicksal. Sie fand mich am Nachmittag vor meinem Laptop. Ich starrte aus der verglasten Balkonfront und hielt mich krampfhaft an einem Glas Martini fest.
Da ich nur in Ausnahmesituationen zum Alkohol greife und Martini bei mir schon zu den harten Drogen gehört, war sie sofort alarmiert. Ich erzählte ihr von dem Anruf und der Woche Urlaub. Statt mit mir über die Ungerechtigkeit der Vergabe von Preisen zu sinnieren, drückte sie mich und zerrte den Koffer vom Schrank in der Abstellkammer. Ich war erstaunt, als unter der Staubschicht sogar Farbe zum Vorschein kam.
„Wann wurde der denn das letzte Mal genutzt?“ Erkundigte sich Mathilde und beantwortete sich die Frage auch gleich selbst. „Vor 5 Jahren wenn ich mich erinnere. Als du zur Buchmesse fuhrst und das erste Buch vorgestellt hast. Scarlett, es wird Zeit, dass du mal wieder unter die Leute kommst. Und da ist diese Woche genau das Richtige. Sammle neue Eindrücke, neue Ideen. Denn damit, kommst du doch auch nicht wirklich weiter.“ Sie deutete auf die leere Seite auf dem Laptop, wo ich außer meinem Namen noch nicht einmal die Überschrift des neuen Romans geschrieben habe. Sie hatte Recht. Mir fehlte die Inspiration, was Neues… Input eben. Ob ich wirklich? Warum eigentlich nicht? Wenn ich nicht gezwungen wurde, würde ich nie aus meinen selbstgewähltem Gefängnis herauskriechen und etwas unternehmen.

Gesagt und beschlossen. Wir packten die Koffer, stritten über den Sinn und Unsinn diverser Utensilien und Mathilde hatte wie immer das letzte Wort. Im Gegensatz zu mir, die ich mir den Glanz und Glamour lediglich in meinen Romanen ausmalte, sah sie alles was mit den Großen dieser Welt zu tun hatte. Je skandalöser, um so besser.

Sie ließ es sich auch nicht nehmen, mich bis zum Flughafen zu begleiten. Ich musste ihr versprechen alles zu erzählen, jede Kleinigkeit würde sie in sich aufsaugen, wie ein Schwamm. Nach einer herzlichen Verabschiedung stieg ich in den Flieger, der mich einer anderen Welt entgegen tragen sollte. Erste Klasse…. ich wusste nicht, dass es so etwas wirklich gab. Die beiden Herren, die mich begleiteten, waren überaus höflich und zuvorkommend. Sie drückten mir eine „Wie verhalte ich mich“ – Mappe in die Hand, die ich während des Fluges zu studieren hatte. Aufgrund meiner guten Kinderstube war das kein Problem. Es ist ja nicht so, dass ich mich gar nicht in der Öffentlichkeit sehen lasse. Zur Promotion der Bücher gehört ja auch, sich bei Messen, Kunstkreisen und Interviews erfolgreich zu schlagen. Nur bin ich eben ein einfach gestrickter Mensch, der in Ruhe schreiben möchte und der dieses ganze Drumherum nicht sonderlich mag.
Im Moment regte mich die Kamera tierisch auf, die ständig auf mich gerichtet war. Es wurde mir zwar erklärt, dass ich in eine Reportage über den Golden Globe eingeflochten wurde, so nach dem Motto Otto-Normal-Verbraucher trifft Hollywood, aber dass es gleich so krass abgehen würde, dass war mir dann doch unheimlich. Ich fand allerdings in der Mappe auch eine Art Vertrag, der mir gestattete, erst in das Videomaterial Einsicht zu nehmen. Damit konnte ich leben. Also …wie sagte Mathilde zum Abschied…. lehne dich zurück und genieße das Leben. Das tat ich dann auch. Der Flug war einfach nur grandios. Die Sonne schien mir ins Gesicht, ich bekam eine Decke gereicht, ein wunderbares Mittag, einen Sekt, der mich müde machte und ehe ich es mich versah, stand ich in LA.
Wow…. doch ja….das nannte ich einen großen Flughafen. Nicht einmal die Hälfte aller Menschen, die hier umher liefen, wohnte in meinem verschlafenen Nest. Als ich dann auch noch das Hotelzimmer sah, wusste ich, dass ich so was von kleinstadtorientiert war…. bloß nicht anmerken lassen, dass mich das alles beeindruckte.

Claudia war eine nette, quirlige junge Dame, die perfekt in diese hektische Welt passte.
Sie bewegte sich in diesem Luxus, als wäre sie darin großgeworden. Mich beeindruckte schon der Name – Beverly Hilton – genug, um nicht mehr in den Schlaf zu kommen.
Als ich von dem Pensum hörte, was wir in der einen Woche unternehmen würden, wusste ich, dass da nicht viel Zeit für Urlaub blieb. Und wirklich!
Ich hatte mich kaum in meiner Luxushöhle eingenistet und den Laptop aufgebaut, als mich Claudia zur ersten Besichtigungstour abholte. Es ging mit einem Wagen mit verdunkelten Scheiben einmal quer durch Beverly Hills. Der Fahrer war sichtlich genervt, dass ich ihn ständig bat mal einen Moment zu halten, damit ich meine Eindrücke kurz zu Papier bringen konnte. Mein Stift flog nur so über den Notizblock. Welch eine Fülle an Material erwartete mich hier. Zwei weitere Tage folgten, in denen ich bis spät in die Nacht alles aufbereitete und ergänzte. Langsam nahm in meinem Kopf der Beginn einer neuen Geschichte Gestalt an.

Am Donnerstag eröffnete mir Claudia, dass es Zeit wurde, an unserem Outfit für die Verleihung zu feilen. Sie ließ sich mein Kleid zeigen und statt einer Antwort, die sie sich auch schenken konnte, denn ihr Blick sprach Bände, nahm sie meine Tasche von Tisch und drängte mich aus dem Zimmer.
„Wir müssen einkaufen. Ich gehe mal davon aus, dass Schriftsteller über ein gut gefülltes Bankkonto verfügen?“
Nun ja, arm war ich nicht… nicht mehr. Der dritte Roman war lange in den Verkaufscharts an oberer Stelle und ich hatte damit meinen Durchbruch geschafft.
„Was stimmt mit dem Kleid nicht?“ fragte ich Claudia, als wir im Wagen saßen.
„Also der altmodische Stil ist ja teilweise wieder in, aber das da? Entschuldigung, das wollten sie nicht wirklich anziehen oder?“
Doch eigentlich schon. Es war das Beste, was mein Kleiderschrank hergab. Ein wenig verstimmt, folgte ich ihr in einen Glaspalast. Also DAS war doch mal … einfach nur wow…. Ich traute mich gar nicht, diese Stoffe anzufassen. Preisschildern waren auch nicht zu sehen. Claudia erklärte kurz, welch Desaster sie vorgefunden hatte und nachdem sich die beiden Damen von ihrem Schrecken erholt hatten, begann die Anprobe.
Gleich bei den ersten beiden Modellen lief es mir kalt über den Rücken. Goldfarben mit Schleppe oder popelgrün und schulterfrei… ich wehrte heftig ab. Es dauerte ewig bis ich alle drei davon überzeugt hatte, dass ich in Schwarz nicht blass aussehen würde und dass schulterfrei überhaupt nicht in Frage kam. Bald war ich versunken in schwarzen Tüll-, Seiden- und Brokatbahnen. Dann plötzlich sah ich es und ich verliebte mich auf Anhieb in dieses Kleid. Wenn eines, dann dieses. Es war so eng geschnitten, dass ich fast befürchtete eine Korsage tragen zu müssen. Reine Seide, glänzend und schimmernd, weich und trotzdem kühlend. In der Taille fügte sich der edle Stoff in einen weiten Rock, der knapp über das Knie ging. Die Masse von Seidenbahnen, die dort verarbeitet waren entdeckte man erst dann, wenn man sich in dieser Schönheit drehte. Der Hals weit ausgeschnitten und trotzdem waren die Schultern bedeckt. Ein breiter, silberner Gürtel war raffiniert geflochten und die Enden hingen lose vor dem Körper herab.
Auch meine Begleitung war hingerissen. Das Kleid riss ein Riesenloch in mein Künstlerkonto und trotzdem ließ ich mich hinreißen und vervollständigte das Ensemble mit einer Halskette und einem paar neuer Schuhe.
Mit meinen Schätzen vor Augen beendete ich den Tag erneut bei einer Flasche Wein. Die dritte in dieser noch nicht beendeten Woche.
Wenn ich gedacht hatte, dass mir Claudia auch nur einen Moment der Ruhe gönnte, hatte ich mich getäuscht. Der folgende Tag war ausgefüllt mit Terminen bei der Kosmetik und dem Coiffeur.
Wieder setzte ich mich durch und verhinderte, dass meine langen roten Locken der Schere zum Opfer fielen. Bloß weil die Stars der Meinung waren, dass dieser Monroe Look in war, musste ich doch meine Haarpracht nicht entsorgen lassen. Die Strähnchen und ein wenig neue Form ok….aber nicht die Länge… darin war ich eigen. Mode hin oder her.

Claudia mochte mich dann wohl doch nicht mehr so sehr, wie an den Tagen davor. Sie verkündete mir am Nachmittag, dass ich über den Rest der Zeit frei verfügen könne. Sie würde mich erst wieder Sonntag Mittag aufsuchen, wenn der Marathon für den Award begann.

Frei… keine Bevormundung. Gefeiert wurde das mit einem Bad in der Monsterwanne und einer Duschbadorgie. Dann rief ich Mathilde an und berichtete ihr in allen Einzelheiten von den vergangenen Tagen. Die Krönung des Tages war ein opulentes Mahl im Restaurant. Ja, man konnte sich daran gewöhnen. Die Herren waren ausnahmslos im Anzug und ich hätte schwören können, dass sich hier bereits einige der Stars tummelten. Claudia hätte sofort gewusst, wer hier wer war und welchen Stellenwert er einnahm.
Ich begnügte mich damit, sie einfach nur anzustarren, die Kleider der Frauen zu bewerten und war doch froh, dass Claudia mich gezwungen hatte, etwas Neues zu kaufen. Wenn die das hier zum Essen anzogen, was würde dann am Sonntag über den Teppich rauschen?
Der Samstag stand im Zeichen der Ruhe. Ich schloss mich ein, nahm den Laptop mit ins Bett und begann meinen Roman. Die Wörter liefen aus meinem Kopf in die Finger und ich versank in meiner selbst erschaffenen Welt. Erst das Knurren meines Magens erinnerte mich daran, einmal auf die Uhr zu sehen. Ich hatte 6 Stunden lang gearbeitet. Schluss für heute!

Bevor ich morgen eine böse Überraschung erlebte, würde ich eine kleine Generalprobe machen. Ich zog mir mein Kleid über, die Schuhe und …. da war das erste Problem. Was auch immer ich unter dem Kleid anzog, durch den Schnitt waren Bügel, Nähte und Verschlüsse zu sehen. Aber ohne oben ohne?
Auch bei mir machte die Schwerkraft nicht Halt. Und so vollkommen nackt darunter? Ich kaute auf meiner Unterlippe. Nein…. so kam ich einer Lösung nicht dichter. Also brauchte ich Hilfe.
Diese fand ich in einem Unterwäschegeschäft unweit des Hotels.
Man lernt doch nie aus. Mit einer kleinen Tüte und einem noch immer ungläubigen Lächeln auf den Lippen, stand ich kurze Zeit später wieder neben meinem Kleid und probierte die Tipps aus. Sieh an, es funktionierte! Was es nicht alles gab!

Die Schuhe waren ungewohnt. Aber die vier Stunden würde ich morgen irgendwie überstehen. Jetzt noch eine Makeupauswahl. Leider hatte ich auch hier nur begrenztes Wissen. Aber da ich mir nicht vollkommen untreu werden wollte und schon die Garderobe verrucht genug war, würde ich mich auf sehr wenig Farbe beschränken.
Um mich von der langsam aufsteigenden Aufregung abzulenken, begab ich mich wieder in meine Fantasiewelt.

Sonntag… nein…ich bin nicht aufgeregt, ich doch nicht, nie….
Das dort in dem Spiegel war nicht ich. Ich hatte die neue Unterwäsche an, die Tricks beachtet, das Kleid übergezogen, die Kette glänzte an meinem Hals, die Haare waren zu einem kunstvollen Knoten aufgesteckt und die Schuhe folterten bereits jetzt meine Füße.

Claudia fand meine vornehme Blässe einfach nur super und ich überlegte, ob sie es noch immer super finden würde, wenn ich mich auf dem Damenklo mal eben so schnell übergebe.
Als Therapie empfahl sie ein Glas Campus. Ich entschied mich für den Martini. Nach dem zweiten ging es mir bedeutend besser. Da die Verleihung im Hotel stattfinden würde, waren wir nicht gezwungen mit dem Wagen zufahren. Gemeinsam beobachteten wir, wie draußen die Menschenmassen aufzogen, die ersten Fahrzeuge vorfuhren und ich bemerkte, dass auch Claudia kleine Anzeichen von Nervosität zeigte. Sie sprach schneller, bewegte sich hektischer und zupfte ständig an ihren Ohrringen.

Dann klopfte es und wir wurden aufgefordert, unsere Plätze einzunehmen.
Ich ging also neben Claudia durch die große Halle, beleitet von der allgegenwärtigen Kamera. Als wir in der Tür zum großen Saal standen, war ich mehr als überrascht. Ich hatte mir das Ganze als Theatervorstellung vorgestellt. Typisch eben. Stuhlreihen vor einer Bühne und darauf ein Rednerpult mit Blümchen. Aber das? Unzählige Tische mit Gedecken, die Bühne ein Wunderwerk aus einem Startreckabenteuer. Unzählige Menschen…. Helfer, die die Gäste einwiesen, Stars, die sich begrüßten und ihre Tische suchten. Kameras, Fotographen, Kellner und dazwischen ich.
Ich folgte einer jungen Frau, die uns zu einem etwas abgelegenen Tisch neben dem Bühnenaufgang brachte. Mir war schon klar, dass ich nicht direkt vor der Bühne sitzen würde. Aber so weit weg? Na gut, das enttäuschte Gesicht von Claudia sprach auch Bände.
So…jetzt saßen wir da und warteten. Ich erwartete einen Gong, oder eine Ansage so nach dem Motto… Ruhe bitte… es geht los!
Aber nein… plötzlich änderte sich das Licht etwas, eine Frau stand auf der Bühne und los ging es. Der Tumult im Zuschauerraum legte sich nur unwesentlich. So also wurde dieser wichtige Preis vergeben. Sehr interessant. Ich bereute, dass ich meinen Notizblock im Zimmer gelassen hatte und mir so alles merken musste. Claudia zeigte unauffällig auf einige Herren und raunte mir deren Namen zu. Einige kamen mir auch bekannt vor. Na der war ja alt geworden und der dick…. ach schau mal an, er hatte eine Glatze? Nebenbei begutachtete ich die Kleider der Damen. Sie sollten teilweise mal dringend den Rat der kleinen Unterwäscheverkäuferin annehmen. Ui…. wie grausam das alles herabhing.
Trotzdem war es ein ergreifendes Gefühl. Zwischen all dem dunkelgekleideten Männern, die sich ausnahmslos gerade hielten, Manieren hatten, nie ein zu lautes Wort riefen, schwirrten wie bunte Schmetterlinge die wohl schönsten Frauen der Welt.
Hier konnte einen das Minderwertigkeitsgefühl so richtig heftig überfallen. Um nicht im Selbstmitleid zu zerfließen, widmete ich meine Aufmerksamkeit der Bühne und vor allem dem Essen. Es war köstlich, unterhaltend und die Stunden vergingen wie im Flug. Die Redner wechselten sich ab, Filmausschnitte wurden gezeigt und ich beschloss, öfter ins Kino zu gehen.
Dann trat eine kurze Pause ein. Anscheinend war das Meiste geschafft. Man konnte diesen Bienenstock zwar noch nicht als absolut still bezeichnen, aber an den Tischen war ein wenig Ruhe eingekehrt, viele unterhielten sich leise und auch ich begann, mich langsam wieder umzusehen. Stopp…was war das? Ich meinte eben einen direkten Blickkontakt gehabt zu haben, als sich ein Rücken dazwischen schob und als ich wieder freie Sicht hatte, war der Mann verschwunden. Es war doch ein Mann oder? Und er hatte mich angesehen! Hatte er?
Ich schüttelte den Kopf. Paranoid. Trotzdem konnte ich den Eindruck nicht loswerden, dass ich noch immer beobachtet wurde. Um meine Unsicherheit zu überspielen, wollte ich nach dem Weinglas greifen, übersah Claudias Arm, griff daneben und stieß es um.
Gott war das peinlich. Mir war, als würden sich alle Augen und Kameras auf mich richten und die Welt den Atem anhalten. Warum tat sich der Boden nicht auf und verschlang mich? Ich spürte, wie meine Wangen rot anliefen und um mich wenigstens halbwegs verstecken zu können, griff ich nach hinten und löste den Haarknoten. Meine Haare waren dankbar für ihre Befreiung und fielen gleich in langen Wellen über den Rücken und mit einer kleinen Bewegung des Kopfes konnte ich hinter dem roten Schleier mein Gesicht verbergen. Schnell war durch die aufmerksamen Kellner der Schaden behoben. Die Welt drehte sich weiter und niemand hatte in unserer Ecke etwas davon mitbekommen. Sicherlich war das nicht das erste Glas, was heute vergossen wurde und es würde auch nicht das Letzte sein. Trotzdem fühlte ich mich wie ein Dorftrottel. Claudia versuchte mich zu beruhigen, gab aber auf, als erneut das bekannte Summen begann, dass den Beginn einer neuen Runde ankündigte.