Betriebsfeier (2)

Sie wandte ihren Blick wieder den köstlich aussehenden Krabben zu, die in ihrer Dillsauce aalten. Ohne zu zögern tauchte sie einen Finger in die Sauce. Als sie ihn dann zum
Mund führte klebte ein weißer Tupfen der Sauce an ihrem Finger, denn sie dann genüsslich ableckte. Die Sauce schmeckte hervorragend, sie war definitiv von einem Spitzenkoch.
“Darf ich?” Hörte sie eine dunkle, sonore Stimme hinter sich.
“Ja, sicher” Antwortete sie gelangweilt und trat einen Schritt beiseite. Dabei sah sie, den Finger immer noch zwischen ihren vollen Lippen, einen Arm, der sich genau den Löffel
der Sauce schnappte, in der sie gerade eben noch ihren Finger hatte. Sie drehte sich lächelnd um und erstarrte vor Schreck, als sie “ihn” erkannte. Den Popanz, den Angeber
und Bodyfuzzi. Oh nein, alles, aber nicht dieser eitle Pfau! Das Lächeln gefror auf ihren Lippen und sie setzte die arroganteste Maske auf, zu der sie fähig war. 
Ohne weiter auf sein ebenso ablehnendes Gesicht zu achten, sah sie verächtlich an ihm herunter.
“Passen sie mit den Gambas auf, wenn sie die falsch essen pieken die” Sagte sie hochnäsig.
“Na und?” Kam seine unwillige Antwort.
“Wenn sie sich and der falschen Stelle stechen, entweicht die ganze Luft.” Damit drehte sie sich um und ging in Richtung ihres Mannes. Hinter sich hörte sie nur noch ein wütendes Schnauben und begann zu lächeln. Sie hatte gewonnen….

Er hatte sie schon bemerkt, als sie in Begleitung ihres Gatten die Halle betrat. Der erste Eindruck war sofort negativ. Er hielt sie für eine aufgetakelte, eingebildete Fregatte, die sich im Ruhm ihres Mannes sonnte. Typisch. Eigentlich war es ihre Haltung, diese unterdrückte Arroganz, die sie ausstrahlte. Ihr hochnäsiger Gesichtsausdruck tat ein übriges. Obschon er bewundernd zugeben musste, dass sie erstklassig aussah. Groß, schlank, leicht gebräunt. Ihre Beine hätten sogar Filmstars vor Neid zweimal hinsehen lassen. Doch all das lenkte nicht von ihrer blasierten Haltung ab. Dazu der lachhafte Gang, als ob sie es nicht gewohnt wäre, auf hochhackigen Schuhen zu gehen. So, wie er sie einschätzte, ging sie damit sogar ins Bett.


Amüsiert beobachtete er, wie ihr Mann von seinen Schösslingen umschwärmt wurde, und niemand sie wahrzunehmen schien. Das geschieht dir recht, dachte er schadenfroh.
Seit der Trennung von seiner zweiten Frau vor 2 Jahren hatte er keine Frau kennen gelernt, die ihm auf den ersten Blick unsympathisch war. Jetzt hatte sie ihn gesehen. Auch das noch, sie kam auf ihn zu! Er versuchte, sein nichts sagendstes Gesicht aufzusetzen, bemerkte aber sofort, dass sie ihm die Schadenfreude ansah. Mist, auch das noch, dieser giftgetränkte Blick den sie ihm nun zuwarf, machte offenbar, was ihm ins Gesicht geschrieben stand. Ihre Intuition sprach zwar für sie, aber das machte es auch nicht besser. Und Manieren hatte sie auch nicht! Sie tunkte tatsächlich ihren Finger in die Dillsauce! 
Dann aber machte er unbewusst zwei Schritte auf sie zu. Mit einer unnachahmlich eleganten Bewegung schleckte sie sich ihren Finger ab. Das war zumindest Filmreif! Er umrundete sie und wusste, dass sie ihn aus den Augenwinkeln beobachtete. Er konnte es schon immer fühlen, wenn Blicke auf ihm ruhten.
Doch er entzog sich ihrem Blick, ging hinter sie und nahm sich ebenfalls von er Sauce mit den Krabben darin. Obwohl er das Zeug eigentlich nicht mochte.
Darf ich?“ Fragte er nur und sie rückte ein wenig zur Seite. Dann drehte sie sich um und sah ihm ins Gesicht. Als er ihre Gesichtszüge entgleisen sah, freute er sich diebisch. War ihm die Überraschung gelungen. Dann sagte sie in diesem hochnäsigen, arroganten Tonfall, dass Gambas pieken würden. Pieken! Was war das für ein Wort? Das letzte Mal, als er dieses Wort gehört hatte, war in seiner Pubertät. Dann der Folgesatz. Luft, was für Luft? Spinnt die? Soll einer die Weiber verstehen….


Als sie sich umwandte, und von ihm wegging, warf er noch einen Blick auf ihre Beine. Was für eine Verschwendung! Einen so tollen Körper mit der hohlen Nuss zu verbinden, den sie wahrscheinlich Kopf nannte, war schon lebensechter Zynismus. Gott musste ein Komiker sein. Also diese Figur ist aber dennoch ein Traum. Er schätzte sie auf 35 Jahre. Plus minus 2. Ihm war vorhin aufgefallen, dass sie nicht geschminkt war. Ein weiteres Indiz dafür, dass es sich hier um ein Luxusweibchen handeln musste, denn die meisten Frauen, die er kannte schminkten sich auf Teufel komm raus. Und das Zeug schmeckte auf Dauer widerlich. Versonnen lächelnd sah er ihr nach, als sie in der anonymen Menge untertauchte. Aber den Spruch konnte er nicht auf sich sitzen lassen. Irgend etwas musste er unternehmen um dieses blöde Weib zu düpieren. Und ob ihr Kerl nun Entwicklungsleiter war oder der Kaiser von China, sie sollte ihre Abreibung bekommen