BDSM mit Genuss

Seit Tagen habe ich keine Nachricht von Ihm erhalten. Stündlich prüfe ich, ob mein Handy auch noch genug Saft hat, um die ersehnte SMS zu empfangen. Ablenken. etwas im Netz Surfen.

Panik fängt an, sich hinterhältig anzuschleichen. Er will mich nicht mehr. Oder vielleicht ist alles nur eine Illusion? Es gibt ihn gar nicht! Ich habe ihn mir erträumt! Möglicherweise foppen mich die Gespenster der Nacht jetzt auch am Tag. Werde ich verrückt?
Nein. Die aufbewahrte SMS holt mich von diesem Trip runter.

Ich gebe mein Gebot für ein SM-Hörbuch ab. Ich stelle es mir aufregend vor, in der U-Bahn statt wie alle Anderen im Discman Musik zu hören, von der Beschreibung weiblicher masochistischer Erlebnisse gefesselt zu werden. Und niemand ahnt etwas. Da reißt mich eine Stimme aus meinen Gedanken:

Sie haben Email erhalten.“ Obwohl ich befürchte, dass es ja doch nur die Gebotsbestätigung ist, öffne ich sofort mein Postfach. Mein Adrenalinspiegel macht einen doppelten Rittberger:Erotikgeschichten online 138 BDSM  mit Genuss

Essen bei mir. Um 20 Uhr. Ich möchte, dass Du Folgendes trägst: halterlose Strümpfe, Stiefel, Brusthebe. Das hauchdünne, durchsichtige Mäntelchen. Darüber Deinen langen Sommermantel. Kein Slip. Ich möchte, dass Du vor dem Lokal am Eck einen Kürbis für mich pflückst. Du weißt, wo sie wachsen. Während Du das tust, wird Dein Mantel geöffnet sein!“

Nein! Das kann er nicht von mir verlangen! Keine drei Meter entfernt von dem kleinen Gebüsch, in dem wir Kürbispflanzen entdeckt haben, stehen schon die stets gut besetzten Tische. 

Keine Zeit für Skrupel. Ich weiß, keine seiner „Anordnungen“ ist undurchführar. Ich habe mich ihm geschenkt. Also gibt es kein Zögern.

In der U-Bahn passe ich sorgfältig darauf auf, dass der geschlossene Mantel unser Geheimnis behütet. Je kürzer die Distanz zu besagtem Lokal wird, desto aufgeregter werde ich. Mechanisch öffne ich die Knöpfe meines Mantels. Die Außentische des Lokals sind wie erwartet gut besetzt. 
Ich fühle die Röte über mein Gesicht kriechen. Vor dem niedrigen Gebüsch lasse ich die Handtasche fallen und gehe in die Knie „um sie aufzuheben“. Schnell suche ich einen hübschen Kürbis aus, den ich mit einer drehenden Bewegung mühelos ernte. Dem Lokal abgewandt stehe ich auf und hoffe, dass mir auf den knapp hundert Metern bis zu seinem Hauseingang niemand begegnet. Kein Gast hat etwas bemerkt. Gott sei Dank!

Noch fünfzig Meter. Da wechselt ein Teenager auf meine Straßenseite und kommt geradewegs auf mich zu. Ein Windstoß weht meinen Mantel nach hinten. Ich möchte im Erdboden versinken. 
Aber er nimmt keinerlei Notiz von mir. Zum ersten Mal freue ich mich über das Desinterresse der Jugend an etwas anderem, als sich selbst.

Ich kann noch nicht klingeln. Mein Herz klopft wie wild. Ich umarme den Kürbis wie einen Schatz. Dann werde ich langsam ruhiger. Mein Liebster erwartet mich. Ich bin so stolz auf mich. Ich habe es geschafft!

Als er öffnet, kann ich meine Freude nicht im Zaum halten. Grinsend halte ich ihm die Beute unseres Abenteuers entgegen. Er lächelt. Gott, wie ich sein Lächeln liebe. Er nimmt den Kürbis, legt ihn beiseite, umarmt mich und flüstert mir zu: „Das ist meine Kleine. Ich wusste, Du schaffst es. Du bist großartig!“ 

Es duftet lecker nach Frischgekochtem. Aber meine Zielstrebigkeit in die Küche bremst er, indem er mich sofort in „unseren Raum“ führt. Er nimmt mir Mantel und Tasche ab und betrachtet mich. Die Zuneigung in seinem Blick ist real. Auf einmal ist alles real. 
Er reicht mir die Augenmaske. Ich liebe dieses Ritual. Es sagt: „Lasset die Spiele beginnen!“

Das vertraute Geräusch „unserer“ Schublade zaubert ein Lächeln auf mein Gesicht. Wortlos legt er mir Brustklemmen an. Es fühlt sich anders an. Sie sind enger als die, die ich „gewohnt“ bin. Das müssen die Neuen sein. Ein Präzisionswerkzeug. Gnadenlos. Sie können nicht versehentlich durch Zug abrutschen. Im Gegenteil. Auf Zug greifen die Backen durch die raffinierte Mechanik noch enger. Der Schmerz breitet sich aus und ich geniesse ihn. Geliebter Schmerz. Er verlässt den Raum.

Ich stehe da mit meiner Ungewissheit. Blind, nur hörend und fühlend. Die Erregung und die Spannung lassen mich frösteln. Ich höre ihn in der Küche hantieren. 
Wird er alleine essen? Wissend, dass ich hier stehe? Die Schmerzen ertrage und geniesse? Meinen Schmerz. Unseren Schmerz. Ich versuche, nichts zu denken. Nur zu fühlen. Mir wird klar, dass ich meine Körperlichkeit eigentlich erst vollends spüren kann, wenn ich Lustschmerz ertrage. Der Masochismus ist endlich nicht mehr mein Feind. Hand in Hand mit Hingabe, Liebe und Demut zeigt er mir, wer ich bin.

Plötzlich spüre ich seine Anwesenheit wieder. Ein Lufthauch. Sein Geruch. Er legt etwas Kaltes um meine Handgelenke. Es fühlt sich an wie Kettchen. Die Enden befestigt er an den Brustklemmen. Ich bin durch die Kürze der Ketten gezwungen, meine Arme in Bauchhöhe zu halten. Ein sehr zarter Kuß auf meiner Stirn. 

Ich möchte schmelzen. Sterben. Für diesen zarten Kuß. Er legt den Arm um mich und führt mich in die Küche an den Tisch und ich setze mich etwas unbeholfen. Soll ich nun blind essen? Die Antwort kommt in Form des Bestecks, das er mir in die Hände legt.

Guten Appetit, mein Schatz.“

Ich taste mich vor bis zum Teller. Er muß Geschnetzeltes gekocht haben. Nichts ist dabei, was man schneiden müsste. Blind will ich die erste Gabel an den Mund führen. Aber die Kette ist zu kurz. Ich weiß, er beobachtet mich. Die Augenbinde hat nicht den Zweck, mich zu demütigen, mich blind essen zu lassen und mich womöglich zu blamieren. Sie dient dazu, dass er mich ungehindert beobachten kann. Und ich mich nicht schäme. 

Statt meinen Kopf zur Gabel zu senken führe ich sie an den Mund. Unter Schmerzen. Geliebte Schmerzen. Meine Brustwarze wird zu dem Klemmschmerz nun auch nach oben gezogen. Statt laut aufzuschreien versuche ich, die Komponenten der Speise zu erschmecken. Sahne. Kalbfleisch. Kroketten. Rosenkohl.

Es schmeckt vorzüglich. Aber jeder Bissen bereitet mir durch den Zug der Kette Höllenqualen und gleichzeitig Lustwellen. Aber ich halte tapfer durch. Ich spüre, dass ihn dieses Schauspiel mindestens genau so erregt wie mich.

Auf einmal wird der Schmerz zu viel. Rasende Herzklopfen und eiskalte Hände signalisieren mir, dass die Grenze erreicht ist. Er sieht die Träne, die den Weg unter der Augenbinde gefunden hat. 

Ganz langsam nähert sich sein Gesicht dem meinen. Er küsst die Träne fort. Die so kostbar ist. Sie ist das Zeichen meiner Demut. Ich bin sein. Was immer er bestimmt, ist gut für mich. Für uns.

Mein Engel, ich werde Deine Brüste jetzt erlösen. Du warst so tapfer. Ich bin unendlich stolz auf Dich. Aber Du weißt, dass Du jetzt stark sein musst.“

Mein Herz rast. Ich weiß, was folgt. Das zurückschießende Blut in die befreiten Brustwarzen ist die Hölle. Ich kann nicht anders. Ich schreie auf und rutsche vom Stuhl unter den Tisch.
Aber er ist da. Er hält mich fest. Er nimmt meine Brüste in die Hände, massiert ganz vorsichtig die gequetschten Warzen. Als der Schmerz endlich nachlässt, erscheint das Lächeln der Befriedigung in meinem Gesicht.

Wir schlafen eng umschlungen ein und sind glücklich.