Advent, Advent ein Lichtlein

Der Mittvierziger ist nicht im Mindesten aufgeregt. Seine Kollegen fragen sich seit langer Zeit, ob es überhaupt etwas gibt, was ihn aus der Ruhe bringen könnte. Selbst wenn der Betrieb wieder einmal, was nicht selten vorkommt, am Rande des Ruins steht, steht der Mann wie ein Fels in der Brandung. Ehern und trotzig wie die Inkarnation des Widerstandes. Und das rettet wie immer den Etat des ganzen Jahres. Der Mann mit der erstorbenen Mimik, den sparsamen Gesten und der verhaltenen Art eines zum Sprung bereiten Raubtieres ist auf dem Weg nach Hause. Doch auch als er an die Überraschung zum ersten Advent für seine Frau denkt, regt sich nichts in seinem Gesicht. Lange hatte er daran gearbeitet, hatte Texte und Bilder hinterlegt, hatte sich viel Mühe gemacht. So eloquent er auch in seinem Job war, so sehr vermochte er es nicht, seine Bedürfnisse zu Hause umzusetzen. Dies nun sah er als eine Art Generalangriff. Friss oder stirb quasi als Seelennotstandshaushaltsplan. Emergency Purge fürs Liebesleben. Gut, er hatte es nie leicht gehabt, aber seine Frau ebenfalls nicht, besonders mit ihm. Als Querdenker und innovativer Exzentriker hatte er es grundsätzlich schwer. Doch all die Masken, die er zu Hause nur allzu bereitwillig abzulegen bereit war, behielt er auf.
Dieser Mann war zwar im Stande, seine Bedürfnisse auszusprechen, jedoch stand das reale Leben immer irgendwie im Wege.
Heute nun war es soweit. Der Adventskalender. Das erste Türchen. Ein, wie er fand, sehr gut gelungenes Bild eines Frauenschosses in Schwarz-Weiß. Feine Spitzenunterwäsche zierte die wohlproportionierte Rückansicht dieser Frau, deren Pohälften durch eine Perlenschnur anstatt eines Stoffes getrennt war.
Darunter der Spruch zum Ersten Türchen.
“Heute wirst du mir zu Willen sein. Egal was ich von dir verlange, du wirst es widerspruchslos tun. Ich bin sehr gespannt, wie dir meine sinnlichen Ideen gefallen”
Nun war er noch wenige Meter von seinem Haus entfernt. Seine Mimik, seine Gestik, nichts zeigte von außen, wie aufgewühlt dieser sonst so roboterhaft wirkende Mann wirklich war.
Nicht einmal seine Hand wies die geringste Spur eines Zitterns auf, als er den Schlüssel in das Schloß schob und leise die Tür öffnete.
Behagliche Wärme flutete ihm entgegen. Das Haus war, wie immer sorgfältig aufgeräumt, alles stand an seinem Platz, eine beinahe klinische Sauberkeit herrschte hier.
Im Wohnzimmer flackerte ein kräftiges Feuer im Kamin, aus den Dynaudio- Lautsprechern erklang kaum hörbar “Bolero” von Maurice Ravel.
Der Mann lauschte, versuchte, von irgendwoher ein Geräusch zu erhaschen, das ihm den Aufenthaltsort seiner geliebten Frau zeigte. Doch außer dem Prasseln und Ravels Musik war nichts zu hören.
Auf dem Wohnzimmertisch stand eine Flasche in einem Sektkühler, wahrscheinlich Prosecco, und zwei Gläser waren daneben aufgestellt. Wie aufmerksam, dachte der Mann und in seinem Inneren regte sich Vorfreude.
War er bislang zutiefst verunsichert, ob seine Frau auf das Spiel einsteigen würde, so begann er nun zu hoffen. Zu hoffen, dass das tiefe Tal durchschritten war. Die Belastungen der Letzten Zeit waren schier unerträglich für eine Beziehung, aber nun sollte alles Besser werden, das hatte sich der Mann fest vorgenommen. Jetzt, wo das Jahresendgeschäft geschrieben, alle Abschlüsse getätigt und die Firma gerettet war, wollte er sich ausschließlich um seine Frau kümmern. Sie hatte es verdient. Hat immer zu ihm gestanden, ihn getragen und gestützt.
Er dachte an das Massageöl, an die rauhen Handschuhe, die er in seinem Koffer hatte. An die weichen Lederfesseln, die Karabinerhaken und das andere Spielzeug, das er seit vielen Wochen wie einen Kropf mit sich herumtrug. Heute sollte es sein.
Der ganze Abend lief wie ein Film vor seinen Augen ab.
Er wollte seine Frau mit einer Massage verwöhnen. Sie lockern und öffnen für etwas Neues. Vor ewig langer Zeit sagte sie zu ihm:
“Ich möchte benutzt werden”
Das war es, was er heute tun wollte. Sie benutzen. Ihrem Wunsch Folge zu leisten. Ihr das geben, was sie sich erhoffte und wünschte. Und an ihrem Körper seine Lust stillen, wie es ihm beliebte.
Der Mann ging geräuschlos ins Obergeschoß. Lauernd, fast witternd. Seine Sinne streiften durch das Haus. Ein paar vorwitzige Regentropfen störten die pochende Stille. Wie kleine Explosionen hörte es sich an, als sie gegen die Nordwestlichen Butzenfenster schlugen und einen wirren Rhythmus erzeugten. Von Ferne grollte ein kaum wahrnehmbarer Donner heran, als der Mann die Letzte Treppenstufe erklommen hatte.
Langsam drückte er gegen die Schlafzimmertür. Lautlos schwang sie nach Innen und gab ein skurrriles Bild preis. Die Jalousien ließen das Licht der Außenbeleuchtung nur strichweise ins Zimmer und teilte die Szenerie in graue und schwarze Streifen. Alles sah farblos, doch leicht bläulich aus. Ein Effekt des Regens, der die spärlichen Lichtstrahlen brach.
Auf dem breiten Bett ein Körper. Fraulich. Auf dem Bauch liegend. Seine Blicke fraßen sich an der nackten Haut fest. Saugten sich von Pore zu Pore, geilte sich auf an den formschönen Linien dieses Arsches, der nur ihm gehörte. Seine brennenden Blicke fuhren über die leichte Senke des Rückgrates bis hinauf zur Wölbung der Schulterblätter. Die sorgfältig gekämmten, langen Haare waren wirr auf das Kopfkissen verteilt, ihre Hände lagen gekreuzt über ihrem Kopf. Eine Einladung, das Seil zu benutzen.
Der Mann zeigte die erste sichtbare Reaktion. Er lächelte. Sparsam zwar, aber doch lächelte er. Mithin hätte ein Fremder denken können, dass ein Raubtier die Zähne fletschte in Erwartung eines opulenten Mahles.
Das Sakko, die Krawatte und das schwarze Hemd fielen raschelnd zu Boden, als er sich näherte.
Einen Moment lang glaubte er, sie hätte abgenommen. Jedoch schob er seine verzerrte Wahrnehmung auf die Jalousien. Aber im Solarium war sie mit Sicherheit gewesen, weil der kleine helle Fleck oben am Ende des Rückens das Letzte Mal noch nicht da war. Schön, dass sie etwas für ihre Haut getan hatte. Seine Letzte Bemerkung schien nicht ungehört verhallt zu sein.
Schlief sie? Wartete sie gar, war sie bereit für das Spiel? Wie sehr er es sich wünschte! Der Mann dachte an die endlosen Gespräche, an die Abende voller Frust und Mißtrauen, schwankend und zerrissen von Anspruch, Leidenschaft und unerfüllten Wünschen. Nach seinen bisherigen Erfahrungen sah er lange Zeit mit Gram, daß Frauen sich anscheinend doch weitestgehend glichen. Die Leidenschaft und Begehrlichkeit nahm ab im Laufe der Zeit und das bescherte ihm manche schlaflose Nacht.
Nächte, in denen er wach lag. Nächte, in denen er seinen Kummer in Scotch zu ertränken suchte. Nächte, in denen er seinen Wagen über die nächtlichen Straßen prügelte und dabei Hector Berlioz hörte, so laut es ging. Vallon Sonoré, sein Lieblingsstück.
All das schien nun das Ende der Durststrecke zu sein, das tiefe Tal schien durchschritten. Unhörbar beschleunigte sich sein Herzschlag, brennende Erwartung schien seine Haut zu spannen und seine Sinne abermals zu schärfen.
Erwartungsvoll streckte er seine Hand aus und berührte die schlafende Schönheit oberhalb des Knöchels. Die Frau zuckte nicht zusammen, ja sie rührte sich nicht einmal.
Wie heiß ihre Haut war. Der Mann erschauerte in wohliger Vorfreude und legte ihr die weichen Manschetten um die Fußgelenke. Widerstandslos ließ sie es geschehen. Auch als er weiße Seile an den Ösen der Manschetten befestigte, rührte sie sich nicht. Geschickt schlang der Mann die Seile um die Bettpfosten. Genußvoll zog er solange an den Seilen, bis sie widerstandslos geschehen ließ, daß ihre Beine gespreizt wurden und sie somit präsentiert wurde. Er fixierte die Seile. Sah sich ihre rasierte Scham an. Den Anus, der vorwitzig im fahlen Licht wie ein kleiner Krater schimmerte. Dieser Anblick war ihm in diesem Lichte betrachtet so fremd wie nie und doch so überaus erregend.
Wortlos schob der erregte Mann ein Kissen unter die Frau, daß er ihr Fleisch noch besser sehen und dann erforschen konnte.
Mutig geworden, spreizte er ihre Lippen ein wenig. Kosten wollte der Mann die Vorfreude seiner Frau. Und doch kam ihm selbst der betörende Geruch ihrer Lust so unsäglich fremd vor, aber gerade das erregte ihn bis aufs Äußerste. Es war beinahe, als hätte er eine völlig fremde Frau vor sich liegen, die er neu zu erkunden sich heute geschworen hatte.
Der Mann öffnete seinen Koffer. Leise raschelnd legte er ein paar Utensilien zurecht. Eine Kerze, Akupunkturnadeln. Er nahm ein weiteres Seil, kniete sich über den Rücken der Frau und küßte sie in den Nacken. Er nahm das Seil in der Mitte, band der Frau die Hände und befestigte die freien Enden wiederum an den Bettpfosten.
Zwischen ihren weit gespreizten Beinen öffnete er dann die sterilen Verpackungen der Nadeln. Mit einem Alkoholpad strich er über ihre erhobenen Pobacken und sah, wie sich dort eine Gänsehaut bildete. Wußte sie, was nun kommen würde? Vielleicht ahnte sie es…
Zwischen Daumen und Zeigefinger ein wenig der köstlichen Haut eingeklemmt, setzte er die erste Nadel. Langsam und sich der Tatsache bewußt, daß das keinen erhöhten Reiz ausmachen konnte. Nadel um Nadel setzte er, bis sich ein kreisförmiges Muster auf dem Arsch der Frau abzeichnete. Bei den letzten Nadeln wand sie sich ein wenig in den Fesseln, doch das machte ihr erst bewußt, daß Stahl in ihrem Fleisch steckte.
Erst als der Mann die Kerze entzündete, wurde ihr bewußt, daß das noch nicht alles gewesen war. Nach endlosen Sekunden dann, war soviel Wachs flüssig geworden, dass er den ersten Tropfen bereit hatte.
Sorgfältig nahm der Mann Maß. Schätzte die Höhe, die das Maß der Hitze war, richtig ein und ließ den ersten Tropfen fallen. Durch einen Ozean aus Grau und Schwarz fand der heiße Tropfen sein Ziel und landete mit einem seltsam kleinen Geräusch auf der ersten Nadel.
Die Frau zuckte zusammen und gab den ersten Laut von sich. Mühsam sich beherrschend konnte sie es dennoch nicht verhindern, daß sich ein Aufstöhnen aus ihrem Munde löste, als das heiße Wachs auf das Metall der Nadel traf, und die Hitze unter die bereits malträtierte Haut leitete.
Der nächste Tropfen, die nächste Nadel, der nächste Aufschrei. Tropfen für Tropfen wurde ihr Stöhnen lauter und unbeherrschter. Sie wand und drehte sich in ihren Fesseln, zog ihren Leib zusammen und streckte ihn wieder, begleitet von immer unbeherrschteren Lauten der Qual.
Der Mann hielt inne und löschte die Kerze. Sorgfältig zog er die Nadeln aus dem Fleisch seines Objektes, darauf achtend, dass das Wachs an der heißen, roten Haut haften blieb. Die Nadeln entsorgte er in einen Aschenbecher, dann wandte er sich der Frau zu. Streichelte liebevoll ihren Rücken, ihr zerwühltes Haar, murmelte beruhigende Worte in ihr Ohr, als wenn er versuchen wollte, ein Wildpferd zu besänftigen.
Nachdem der Atem der Frau sich einigermaßen beruhigt hatte, nahm der Mann, dessen Erregung ihm deutlich anzusehen war, eine 9schwänzige Peitsche zur Hand.
Wiederum beruhigend strich er der Frau über den Rücken, die Fortführung seiner Behandlung ankündigend. Er begann zunächst vorsichtig, dann schneller und härter werdend, das Wachs von der Haut der Frau zu schlagen. Präzise und sorgfältig befreite er sie und rötete nebenbei noch den Rest der Haut um den Ort der Einstiche herum. Die Schläge mit der Lederpeitsche schienen der Frau weniger Schmerz und mehr Lust zu bereiten als der dumpfe Schmerz der heißen Kanülen, stellte der Mann mit einem Griff zwischen die weit gespreizten Beine des Objektes fest.
Abermals erhöhte er Schlagfrequenz und Wucht. Die Frau wand sich, sie hielt ihre Tränen lange zurück. Tapfere, geliebte Frau! Doch dann kam es, wie es kommen musste, der Damm brach und sie konnte endlich ihren Gefühlen freien Lauf lassen.
Ein paar wenige Schläge noch, den Rhythmus senkend, gewissermaßen als Ausklang, dann band er sie los und drehte sie auf den Rücken. Ihr wirres Haar verbarg das Gesicht, als er den Kopf der Frau an seine Brust legte und sie sich an ihn klammerte wie eine Ertrinkende.
Der Mann wurde starr vor Schreck, als das Licht entflammte und er seine Frau in der geöffneten Tür des begehbaren Schrankes sah. Sie war nackt, hatte die Beine gespreizt und eine Hand lag immer noch auf ihrem Kitzler, ein Glitzern in ihren Augen, das er nie zuvor gesehen hatte. Ihre Augen sprühten vor Geilheit, ihre Schenkel waren gerötet und ihre Brustwarzen zeugten von unglaublicher Erregung.
„Darf ich vorstellen“ Sagte seine Frau mit vor Geilheit kehliger Stimme „das ist Chloe, unsere neue Zofe“